Fußballtrainer-Tipps aus der BDFL-Fortbildung: starke Stimme, bessere Teamkommunikation und erfolgreiche Teamleistung
von Andreas Bosch
(Mental First Gründer und Sportmentaltrainer)
von Andreas Bosch
(Mental First Gründer und Sportmentaltrainer)
Als Fußballtrainer im Nachwuchsbereich vermittelst du nicht nur Technik, Taktik und Athletik, sondern auch Emotionen. Deine Stimme ist dabei eines der wichtigsten Werkzeuge. Sie kann motivieren, beruhigen, antreiben – oder verunsichern.
Mit deiner Stimme überträgst du vor, während und nach dem Spiel deine Stimmung direkt an deine Spieler*innen. Ob du willst oder nicht. Das passiert ganz automatisch und unbewusst.
Der Ton macht bekanntermaßen die Musik.
Doch wie kannst du deine Stimme gezielt einsetzen, um dein Team zu führen und Leistung zu steigern?
In einer BDFL-Fortbildung für Fußballtrainer mit renommierten Trainern wie Frank Engel (ehemaliger Trainer der deutschen U19- und U15-Nationalmannschaft des DFB), Miroslav Jagatic (Cheftrainer BSG Chemie Leipzig) und Marco Kurth (Co-Trainer RB Leipzig) behandelten wir dieses Thema intensiv. Zudem brachten knapp 120 Fußball-Lehrer*innen, die online zugeschaltet waren, wertvolle Fragen und Anregungen mit ein.
Hier bekommst du die 5 besten Tipps aus der Fortbildung, die dir helfen, deine Stimme gezielt einzusetzen, deine Teamkommunikation zu verbessern und dein Team zum Erfolg zu führen – mit praxisnahen Übungen und anschaulichen Videos.
Wie du als Fußballtrainer sprichst, beeinflusst direkt, wie deine Spieler reagieren. Eine hektische, aggressive Stimme kann verunsichern, während eine ruhige, bestimmte Stimme Vertrauen schafft.
Ein spannendes Experiment von Oliver Niebuhr zeigt, wie stark unsere Wahrnehmung von einer Stimme beeinflusst wird. In einem Test mit Navigationsgeräten wurden 30 Teilnehmer absichtlich in die Irre geführt. Das Ergebnis: Fahrer mit einer charismatischen „Steve-Jobs-ähnlichen“ Stimme folgten den Anweisungen deutlich länger als jene mit einer monotonen „Mark-Zuckerberg-Stimme“. (Quelle: W wie WISSEN „Die charistmatische Stimme: Der Ton macht die Musik“, Autorin Nina Schmidt (hr) 19.05.2019)
Übertragen auf den Fußball bedeutet das:
Lässt sich eine charismatische Stimme trainieren?
Die gute Nachricht: Du kannst deine Stimme gezielt trainieren, um deine Wirkung auf die Spieler zu verbessern!
Mit einigen Übungen kann man durchaus die Stimme trainieren und damit auch optimieren.
Diese Übung hilft dir, bewusster mit deiner Stimme umzugehen und gezielt Emotionen zu steuern.
2. Lies einen beliebigen Absatz in drei verschiedenen Stimmungen vor:
3. Achte und variiere dabei Tempo, Lautstärke, Betonung und Pausen.
Nach der Übung: Was hast du gespürt? Wie waren deine Emotionen?
Diese Übung hilft dir, deine Stimme optimal zu nutzen, bewusster mit deiner Stimme umzugehen und gezielt Emotionen zu steuern.
Wissenschaftliche Studien zeigen: Gute Stimmung ist die Basis für Spitzenleistung (nach einer Studie von Abele). Deine Stimme kann diesen Zustand fördern – oder verhindern.
Gleichzeitig ist eine positive Stimmung ein entscheidender Faktor für Flow-Erfahrungen. Je besser sich deine Spieler fühlen, desto leichter kommen sie in den Flow.
Erinnerst du dich an ein Spiel, bei dem es um alles oder nichts ging? Deine Mannschaft wächst über sich hinaus, spielt sich mit jeder Aktion weiter in einen Rausch. Alles läuft perfekt: Strategie, Taktik, Technik – einfach alles greift ineinander. Pässe kommen perfekt an, Laufwege stimmen, jeder ist hoch konzentriert. Du spürst es als Trainer, deine Spieler fühlen es auf dem Platz. Der Ball läuft, das Spiel „fließt“. Das ist Flow.
Im FLOW-Zustand sind wir komplett fokussiert, agieren intuitiv, empfinden Freude und verlieren oft das Zeitgefühl. Wir sind überzeugt von unserem Spiel und liefern ab. Drucksituationen beflügeln uns zu persönlicher Bestleistung. Wir können unsere Trainingsleistung und sogar unsere Bestleistung mit Leichtigkeit abrufen.
Doch genau das gelingt den wenigsten Fußballern. Studien (Fester & Wörz) zeigen: Nur 35% der Leistungssportler können ihr volles Potenzial abrufen, wenn es zählt.
Das Problem: Viele sind im Training stark – aber wenn es drauf ankommt, fehlt die Leichtigkeit. Man spricht auch vom „Trainingsweltmeister-Phänomen“: Spieler, die im Training brillieren, aber im Spiel unter Druck nicht liefern können.
🎥 Vertiefendes Video aus der BDFL-Fortbildung: So beeinflusst deine Stimme den mentalen Zustand deiner Spieler.
Doch dein Ziel als Fußballtrainer sind Spieler, die im Spiel abliefern, die auch unter Druck cool bleiben, clever spielen und ihr Potenzial ausschöpfen – genau dann, wenn es zählt.
Und hier kommst du und dein Stimme ins Spiel:
👉 FLOW ist ansteckend! FLOW ist über Emotionen übertragbar – und deine Stimme transportiert Emotionen! Wenn du als Trainer positiv und fokussiert bist, überträgt sich das auf deine Mannschaft.
👉 Deine Stimme ist entscheidend! Dein Tonfall, deine Worte und deine Körpersprache beeinflussen direkt die Emotionen deiner Spieler.
Wenn du also möchtest, dass deine Mannschaft in den Flow kommt, fange bei dir selbst an. Bringe dich zuerst selbst in einen positiven, fokussierten Zustand. 80% FLOW reichen aus, um dein Team mitzuziehen!
Praktische Übung: Eine sehr bewährte Methode, sich dem FLOW (zumindest) anzunähern, ist das FLOW Skript. Der erste Schritt dabei: Schreibe in deinen eigenen Worten so genau wie möglich auf, wie es sich für dich anfühlt, wenn es so richtig gut läuft, du im FLOW bist. Wie schwer oder wie leicht fiel es dir deinen FLOW zu beschreiben?
Tipp für Fußballtrainer: Dein persönliches FLOW-Skript
📝 Schreibe auf, wie sich FLOW für dich anfühlt!
Diese Übung hilft dir, den Zustand bewusster wahrzunehmen – und mit ein bisschen Übung ihn gezielt zu aktivieren.
FLOW ist kein Zufall. Du kannst ihn steuern. Und wenn du es schaffst, ihn regelmäßig zu aktivieren, werden deine Spieler konstanter und mental stärker.
🎥 Vertiefendes Video aus der Fortbildung: Wie sich FLOW für die Expertenrunde anfühlt.
Die Fähigkeit die Empfindungen und Gedanken deiner Spieler*innen zu erkennen und zu verstehen, spielt eine immer größere Rolle für eine*n erfolgreiche*n Trainer*in und unterscheidet eine*n gute*n von einer*m sehr gute*n Trainer*in.
Hand aufs Herz, wie gut erkennst du, was in deinen Spieler*innen vorgeht und wie gut kannst du darauf eingehen?
Das setzt natürlich voraus, das man der Thematik gegenüber offen ist und sich selbst reflektieren kann. Stichwort: Selbstwahrnehmung. Wie gut nimmst du wahr, wie angespannt oder ausgeglichen du bist?
Bist du angespannt, überträgt sich das schnell auf dein gegenüber und damit auf das Team. Dabei kannst du trainieren deinen Spannungsgrad immer besser wahrzunehmen und gezielt zu steuern bzw. zu regulieren. (Man könnte auch Erregungsgrad sagen, aber das kann falsch verstanden werden :-))
ÜBUNG! Du merkst, dass du angespannt bist? Versuche folgendes: Zentriere dich. Schließe die Augen. Atme tief ein (mindestens 3 Sekunden lang), Halte kurz den Atem (2-3 Sekunden) und Atme danach lange wieder aus (ca. 6 Sekunden). Wieder hole die Übungen 3 bis 4 mal.
Mein Tipp zur praktischen Umsetzung: Werde dir immer wieder bewusst, wie hell deine Glühlampe gerade leuchtet.
Trainiere dies auch gemeinsam mit deinen Spieler*innen. Stellt euch immer wieder diese Frage mit dem Ziel, immer besser und jederzeit wahrnehmen zu können, welchen Spannungsgrad jeder von euch in dem Moment auf einer Skala von 0 bis 100 hat. 0 steht dabei für das Extrem Schlafmodus und bei 100 sind wir im Panikmodus.
Im Übrigen, nach meiner Erfahrung befinden wir uns (in Abhängigkeit der Tätigkeit) zwischen 55 und 70 im FLOW.
Empfehlung: Du willst dein Empathievermögen noch weiter ausbauen? Dann empfehle ich dir folgenden Empathiekurs meines geschätzten Kollegen und Freund Michael Draksal. Einfach hier klicken.
Wie geht Individualisierung als Fußballtrainer*in? Was ist der Unterschied zwischen einem Coach und einem*r Trainer*in? Hast du dich schon mal gefragt, ob es sinnvoll ist, die beiden Rollen voneinander zu unterscheiden und bewusst einzusetzen?
Dazu folgender Denkanstoß:
Wann agiere ich als Coach und wann agiere ich als Trainer*in?
Hier zunächst die Unterscheidung:
Die Rolle des*r Trainer*in: Trainer*innen bringen durch die Vermittlung von Wissen und Trainingsmethoden den Spieler*innen etwas bei. Sie wissen was, was die Spieler*innen nicht wissen und machen damit Vorgaben und geben Anweisungen, was sie zu tun haben. Man agiert damit als eine Art „Lehrer*in“, die bzw. der seinen „Schüler*innen“ bestimmte Fähigkeiten (Taktik, Technik etc.) beibringt. Dazu gehört auch in passenden Momenten auf Fehler hinzuweisen, zu analysieren und Kritik zu üben.
Die Rolle des Coachs: Der Coach fungiert als ein*e Begleiter*in und Unterstützer*in, um Spieler*innen zu helfen, Herausforderungen zu meistern, z.B. bei einem entscheidenden Pokalspiel. Sie oder er bringt die Spieler*innen auf den Weg, gibt notwendige unterstützende Hinweise und spornt sie an, ihr Bestes zu geben.
Sei dir dieser zwei Rollen bewusst und hinterfrage dich: Inwieweit machen ausgiebige Fehleranalysen (Rolle als Trainer*in), in der Halbzeitpause eines Ligaspiels Sinn? Oder hemmen sie die Spieler vielleicht in eine gute Stimmung zugelangen?
EXKURS: Ergebnisorientierung im Spiel führt zu verkopften Spielern
Aus rein mentaler Sicht ist es für die Leistung deiner Spieler*innen im Wettkampf hinderlich, dass deine Spieler*innen unterscheiden, wie wichtig ein Spiel ist. Viel eher sollte für deine Spieler*innen jedes Spiel gleich wichtig sein. Egal ob Freundschaftsspiel oder Ligaspiel.
Warum? Wenn Spieler*innen anfangen zu bewerten, was für Konsequenzen sich aus einem Spiel ergeben oder nicht ergeben, dann sind sie nicht mehr beim Spiel. Nicht mehr im Hier und Jetzt. Damit besteht die Gefahr, dass sie zu verkopft sind und nicht mehr intuitiv und „frei“ spielen. Kurzum, nicht mehr im FLOW sind.
Was denkst du, ist aus mentaler Sicht das Beste für deine Spieler*innen um Ihre persönliche Bestleistung abrufen zu können? Welche Gedanken im Kopf sollten deine Spieler*innen nach der Halbzeitpause zurück auf dem Spielfeld haben?
A) Was bisher nicht gut lief, komplizierte Taktiken, die sie ins Grübeln bringen und die Angst bei schlechter Leistung ausgewechselt zu werden.
ODER
B) Sie haben nichts im Kopf. Sie empfinden Freude, Spaß und ein Gefühl von Sicherheit . Sie haben eine hammergeile Zeit und denken nicht an das „Danach“ oder die Konsequenzen.
Mir ist bewusst, dass die Realität da draußen häufig eine andere ist und der Fokus auf das Ergebnis als Muss und als Motivation zur Steigerung der Leistung verstanden wird. Vielleicht denkt der Mentaltrainer da ein wenig zu illusorisch.
Wie die Diskussionsrunde darüber denkt, siehst du hier im Video:
Wir wissen: jeder tickt anders. Und so ist auch jede*r Spieler*in ein Individuum und so sollte auch mit jedem*r anders umgegangen werden, damit die Spieler*innen im Spiel über sich hinauswachsen können. Das beginnt bereits bei der Kabinenansprache.
Hier kommt wieder die Stimme des*r Trainer*in ins Spiel. Für eine*n aufgeregte*n Spieler*in, der bzw. dem die Konzentration fehlt, benötigt eine empathische ruhige Stimme, die Halt und Zuversicht vermittelt und ein Stück weit wieder runterfährt. Siehe Beispiel mit der Glühbirne. Hier bedarf es die Stimme eines wohlwollenden Coachs.
Eine andere Spielerin wiederum fehlt die Konzentration und ist mit ihren Gedanken woanders. Hier braucht es vielmehr eine Aktivierung, zum Beispiel in Form einer etwas lauteren motivierenden Stimme, die sie zurück „auf die Spur“ bringt.
So eine laute, aktivierende Stimme wäre für den bzw. die aufgeregte*n Spieler*in zuvor eher fatal. Die „Glühbirne“ würde womöglich durchbrennen und die Leistung ist dahin.
Auch hier hilft trainieren, um darin besser zu werden: Wie ist die Körpersprache deiner Spieler*innen und was kann ich daraus interpretieren? Und vor allem, was benötigen deine Spieler*innen in diesem Moment, um ihr volles Leistungsvermögen abrufen zu können?
Wie du eine individuelle Kabinenansprache angehst, um jede*n einzelne*n Spieler*in so gut wie nur möglich abzuholen:
1. Schritt: Beginne bei dir.
Nimm zunächst wahr, wo stehst du im Moment? Wie fühle ich mich im Moment? Bin ich vielleicht selber etwas aufgeregt?
Versuche dich zu regulieren und in die für dich richtige Stimmung zu kommen. Denke auch hier wieder an eine Glühlampe. Vielleicht brauchst du eine Aktivierung oder eher etwas zum runterfahren. Werde dir dessen bewusst.
2. Schritt: Nimm wahr wie es deinen Spielern geht.
Die große Kunst einer Kabinenansprache ist es, jeden einzelnen emotional zu erreichen. Dafür muss man erst mal erkennen, wo die anderen gerade stehen.
Meist äußern sich Spieler*innen nicht, was in ihnen vor sich geht. Mit der Zeit kannst du das anhand der Körpersprache, Mimik und Gestik aber immer besser wahrnehmen. Wie ist die Köpersprache deiner Spieler*innen wenn es so richtig gut läuft und wie ist sie wenn es mal nicht so gut läuft? Erkenne die Unterschiede in deren Körpersprache im Training und in einem Punktspiel mit erhöhten Druck.
Übung für den Alltag: Versuche die Körpersprache des Kassierers im Supermarkt zu deuten. Wie hell leuchtet seine Glühlampe? Es geht darum, dafür ein Gespür zu entwickeln und dafür braucht es Training und Zeit. Du wirst sehen, dass du ein immer besseres Gespür dafür bekommen wirst.
3. Schritt: Selektiere deine Spieler in zwei Gruppen.
Eine Gruppe deiner Spieler*innen benötigen eine Aktivierung und die andere eher was zum runterfahren.
Eine Kabinenansprache, die die ganze Mannschaft einschließt ist aufgebaut wie ein Spannungsbogen mit entspannenden und aktivierenden Elementen.
Sprich jeden einzelnen Spieler mit seinen Namen an, schaue ihm dabei in die Augen. Versuche zu spüren wie es ihm geht. Dann spüre bei dir selber: wie fühle ich mich? Fühlst du dich in dem Moment wie ein Fels in der Brandung?
Warum ist das wichtig? Weil Emotionen übertragen werden, über deine Stimme und deine Körpersprache und natürlich auch in dem was du sagst.
Bei den einen Spielern*innen gibst du anhand deiner Wortwahl, Lautstärke, Mimik und Gestik eine Aktivierung mit. Den anderen, bei den die „Glühbirne“ schon kurz vorm durchbrennen ist, nutzt du deine Stimme mit Bedacht und fährst sie ein Stück weit runter.
TIPP! Trainiere deine Kabinenansprache! Zum Beispiel alleine in der Kabine oder zu Hause vor dem Spiegel. Am besten du nimmst deine Ansprache als Trockenübung mit einer Videokamera auf. Nutze hier auch die Stimmübung mit dem Liedtext Hänschen klein.
Gib dem ganzen eine Chance und probiere es aus. Auch Trainer sollten sich stets weiter entwickeln. 🙂
Viel Spaß und vor allem viele FLOW Momente.
Ihr habt Fragen und möchtet mehr dazu wissen?
Ich freue mich, von euch zu hören!
Telefon: 0341 946 724 09
E-Mail: info@mentalfirst.com
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